
Als wir am Flugplatz Grenchen ankamen, war die Vorfreude gross. Gleichzeitig wussten wir, dass die kommenden zwei Wochen alles andere als Ferien werden würden. Checks, Procedures und Theorie hatten wir bereits zu Hause gelernt – nun musste sich zeigen, ob wir dieses Wissen auch im Cockpit anwenden konnten. Genau das machte SPHAIR für uns aus: Man lernte nicht nur das Fliegen, sondern auch, unter Druck ruhig zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen.
Ursprünglich hätte unsere Gruppe aus sechs Teilnehmenden bestanden. Nach zwei kurzfristigen Absagen starteten wir schliesslich zu viert. Schnell zeigte sich jedoch, dass gerade diese kleine Gruppengrösse ein Vorteil war. Dies zeigte sich besonders durch näheren Austausch mit unseren Fluglehrern. Wir Flugschüler lernten, fragten uns gegenseitig die Procedures ab und unterstützten einander nach jedem Flug. Unsere Tage begannen bereits früh morgens nach einer Nacht in einer Schülerunterkunft, welche mit anderen Personen geteilt wurde. Danach genossen wir das Frühstück im Restaurant beim Tennisplatz gefolgten von Briefings, Theorie und Flüge bis in den Abend. Freizeit war knapp und wurde meist genutzt, um den nächsten Flug vorzubereiten. Trotzdem blieb immer wieder Zeit für eine gemeinsame Partie UNO – ein kleiner Ausgleich, der den Teamgeist stärkte.
Der erste Flug Zum ersten Mal nahmen wir im Cockpit einer Piper PA‑28 Warrior (HB‑PPF oder HB‑PPG) Platz. Obwohl wir noch nie selbst ein Flugzeug geflogen hatten, durften wir bereits viele Aufgaben eigenständig übernehmen. Überraschend war, dass nicht der Start die grösste Herausforderung darstellte, sondern das Rollen am Boden wie auch das Landen. Gleichzeitig mussten wir das Flugzeug steuern, die Instrumente überwachen, Procedures anwenden und den Anweisungen folgen. Der Moment, in dem sich das Flugzeug zum ersten Mal von der Piste löste, bleibt dennoch unvergesslich.

Schritt für Schritt Mit jedem der insgesamt elf Flüge wuchs das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das Geradehalten des Flugzeuges, das Einschätzen der Querlage und das gleichzeitige Abarbeiten der Checks verlangten anfangs viel Konzentration. Unsere Fluglehrer Andreas, Cyrill und Josef gaben uns jederzeit ehrliche, präzise und konstruktive Rückmeldungen. Dabei lernten wir, dass Fortschritt nicht bedeutet, alles sofort perfekt zu beherrschen. Viel wichtiger ist es, aus jedem Flug eine Erkenntnis mitzunehmen und diese beim nächsten Mal umzusetzen. Der Höhepunkt Ein besonderes Erlebnis war der Navigationsflug nach Alpnach (LSMA). Die Route führte über Koppigen, Schangnau und mehrere Pässe Richtung Alpnach. Zwischen den Aufgaben blieb erstmals etwas Zeit, die eindrückliche Landschaft bewusst wahrzunehmen. Gerade dieser Flug zeigte eindrücklich, dass Wetterbeurteilung und gute Entscheidungen zu treffen, zu den wichtigsten Fähigkeiten einer Pilotin oder eines Piloten gehören.
Mehr als Fliegen SPHAIR vermittelte uns weit mehr als fliegerische Grundlagen. Wir lernten, Verantwortung zu übernehmen, konzentriert zu arbeiten, mit Fehlern umzugehen und uns gegenseitig zu unterstützen. Besonders wertvoll war die Offenheit innerhalb der Gruppe. Nach anspruchsvollen Flügen halfen wir einander, motivierten uns gegenseitig und profitierten von den Erfahrungen der anderen.
Ein Abschluss mit bleibendem Eindruck Der Kontrollflug war der Abschluss einer intensiven Lernphase. Natürlich war die Nervosität gross, gleichzeitig war uns bewusst, wie viel wir in kurzer Zeit gelernt hatten. Was zu Beginn des Kurses noch überwältigend wirkte, fühlte sich inzwischen deutlich vertrauter an.
Fazit Der SPHAIR-Kurs hat unsere Erwartungen übertroffen. Er zeigte uns nicht nur, wie anspruchsvoll die Fliegerei ist, sondern auch, wie viel man mit guter Vorbereitung, konstruktivem Feedback und Teamarbeit erreichen kann. Unser Rat an zukünftige Teilnehmende lautet deshalb: Bereitet Euch frühzeitig auf Checks und Procedures vor, nutzt Chair Flying, nehmt Kartenspiele mit – und geniesst jeden einzelnen Flug. Die Erinnerungen an diese zwei Wochen werden uns noch lange begleiten.